Ohnmacht - SPEAKER'S CORNER - LDFF - Sönd Willkomm!!!

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Ohnmacht

LDFF - Sönd Willkomm!!!
Herausgegeben von in Weltpolitik ·
Das ist wahrscheinlich das Wort, welches das Gefühl am ehesten beschreibt, welches sich in der diesjährigen Vorweihnachtszeit ausbreitet. Zumindest seit dem 19. Dezember und seinen Schlagzeilen.

  • Berlin - mehrere Tote und Verletzte nachdem ein Lastwagen durch den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz rast
  • Ankara - der russische Botschafter in der Türkei wird in einer Galerie angeschossen und erliegt wenig später seinen Verletzungen
  • Zürich - Ein Täter gibt in einer Moschee mehrere Schüsse ab, verletzt dabei drei Menschen teilweise schwer und wird wenig später von der Polizei tot aufgefunden

Und das sind nur die allerschlimmsten Schlagzeilen dieses schwarzen Tages. Weiterhin herrschen in weiten Teilen der arabischen Welt Krieg und Elend, weiterhin sind Millionen Menschen auf der Flucht, weiterhin sterben täglich echte Flüchtlinge an den Strapazen ihres Elends, weiterhin sind abertausende Kinder als Waisen oder Kriegsvertriebene vollkommen auf sich alleine gestellt. Die 'weiterhin'-Liste liesse sich problemlos erweitern.

Die ganze westliche Welt schreit auf, ob des Terrors. Schnell sind Schuldige gefunden. Es sind die Islamisten, welchen mit der europäischen Flüchtlingspolitik Tür und Tor geöffnet wurden. Die AfD erfrecht sich sogar, die verstorbenen Besucher des Berliner Weihnachtsmarkts am Breitscheidplatz für ihre braune Politik zu instrumentalisieren. Rechtsgerichtete Extremisten haben schliesslich - und das lehrt uns die deutsche Geschichte umfassend - noch nie Ethik bewiesen oder Skrupel gezeigt, wenn es um Menschen ging. Nicht, dass hier der Eindruck entsteht, dass ich nur gegen rechten Extremismus bin, ich bin gegen jede Art von Extremismus, egal ob von rechter, von linker oder aus religiöser Sicht.

Doch ist es so einfach, sind es immer die «bösen» Muslime, welche dem Westen nur Böses möchten?

Persönlich glaube ich nicht, dass es so einfach ist. Konfrontationen gab es in der Geschichte schon immer. Diese waren nicht selten religiösen Ursprungs: römische Vielgötterei gegen Christen, Katholiken gegen Protestanten, Christen gegen Juden, Muslime gegen Christen und Juden.

Und es zeigt sich immer wieder, dass einzelne (fehlgeleitete) Individuen die Reputation ganzer Gruppen diskreditierten. Daher meine Ablehnung von Extremismus. Doch auch Opportunismus und Narzissmus führen zu Missständen, welche zu Schubladisierung führen. So kann eine selbstverliebte Person, welche die Verordnungen von Arbeitslosen- / Sozialhilfe für sich selbst sehr grosszügig auslegt, dafür verantwortlich sein, dass alle Arbeitslosen / Sozialhilfeempfänger schlecht, faul, egoistisch usw. sind. Eben so wenig stimmt es, dass alle dunkelhäutige Menschen stinken, alle älteren Mitmenschen eine Gefahr im Strassenverkehr darstellen, alle Schweizer Bünzli, alle Amerikaner Waffennarren, alle Roma Kesselflicker und alle Banker reich sind. (Auch diese Liste liesse sich beinahe endlos weiterführen.)

Klar, eine 'Kategorisierung' hilft (dem bescheiden denkenden Menschen) sich die Welt zu erklären, die bestehende Komplexität etwas zu reduzieren und in der Alltagspsychologie Antworten für schwer Erklärbares zu finden. Doch die Gefahr ist gross, dass aus einer 'einfachen' Kategorisierung Dogmen werden, welche kaum mehr aufzubrechen sind und absolut starr gehandhabt werden. Murphy lässt dann grüssen. Sündenböcke sind dann eben schnell gefunden und haben von vornherein keine Möglichkeit sich zu rehabilitieren, da man sie entweder nicht zu Wort kommen lässt (man schiesst erst und fragt danach) oder ihre berechtigten Äusserungen als Lügen, Verleumdungen und Heucheleien abtut.

Aber es ist nicht so, dass alle Ausländer Verbrecher sind, auch wenn einzelne (nicht alle!) Vertreter der Schweizerischen braunen Partei uns das so weiss machen möchten. Wäre dem nämlich so, dann wären in der Schweiz vor der (nota bene von uns, den Schweizern, so aktiv gewollten) ersten 'Massenzuwanderung' in den 50er, 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, keine Gefängnisse nötig gewesen. Waren sie aber und zwar nicht zu knapp. Es gibt - oh Schreck!!! - auch schweizerische Verbrecher, Ganoven, Gauner, Mörder und Betrüger.

Da stellt sich mir je länger je mehr die Frage, ob die Schweiz, wie wir sie heute kennen, wirklich das darstellt, was unsere Vorfahren mit ihrem Schaffen, ihrem Streben nach Unabhängigkeit, nach allgemeinem Wohlstand und Menschlichkeit, mit ihren Opfern wollten oder sich vorstellten. Abschliessend kann dies objektiv nicht beantwortet werden und sollte daher durch jede und jeden selbst beantwortet werden.

Für mich ist klar, dass dies in keinem Fall dem entsprach, was unsere Ahnen wollten. Klar, jetzt kommen die Schweizer mit Aussagen wie: "Ist der überhaupt Schweizer?", "Darf der so reden?", "Soll er doch dorthin gehen, wo er herkommt." und so weiter. Hier kann ich alle beruhigen. Ja, ich bin Schweizer und mein Stammbaum lässt sich bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts zurückverfolgen. Meine Vorfahren waren, ob rühmlich oder nicht, nachgewiesenermassen bei der Ermordung von Jörg Jenatsch beteiligt. (Ich meine, dass das, was Laurentz Fausch mit seinem "Staubigen Hüetli" 1639 zum Ableben des Bündner Politikers beitrug, kein rühmlicher Auftritt unserer Familie in der Geschichte war,) Und nun höre ich sie schon, die Rechtspopulisten und Nationalisten, wie sie mir 'Nestbeschmutzung' und Ähnliches vorwerfen. Hier kann ich alle Nörgler beruhigen; auch ich nerve mich jeden Morgen und jeden Abend auf der Autobahn ab und bis Winterthur, wenn ich das Gefühl habe vor lauter «KN Ÿ xx»-, «FN Ÿ xx»-, «RV Ÿ xx»-, «FFB Ÿ xx»-, «SIG Ÿ xx»- und so weiter und so fort Kennzeichen auf einer deutschen Autobahn zu sein. Ja, das nervt mich, denn diese Pendler nehmen der Schweizer Wohnbevölkerung Arbeitsplätze weg und finanzieren die durch sie geschaffenen Kosten nicht mit (Sorry, liebe Deutsche, doch die SFr. 40.-- für eine CH-Autobahnvignette finanziert nicht eure Autobahnnutzung in der Schweiz). Zudem unterstützen sie wohl die Wertschöpfung (ihrer Arbeitgeber) in der Schweiz, doch zum Konsum, dem wichtigsten Faktor und zum Steuersubstrat tragen sie nicht wirklich bei. Das finde ich die echte Schande am Ganzen.

Also, ich bin ein absolut durchschnittlicher Schweizer und ich bin mir bewusst, dass ich meinen Wohlstand nur habe, weil meine Vorfahren dafür kämpften, dass die Grundlagen heute so sind, dass es uns möglich ist, in Wohlstand, Wohlfahrt, Anstand und Würde leben können (zumindest die Mehrzahl der Bewohner dieses wundervollen Landes). Doch bin ich weder Populist noch Nationalist, ich bin einfach froh und glücklich, hier zu leben; auch wenn ich mich an gewissen Zuständen heftig störe.

Hauptpunkt des mich Störenden sind gewisse Vertreter der Schwachsinnigen Verballhornungs-Partei, welche extreme Standpunkte einnehmen. Wahrscheinlich stimmt es, dass in der Schweiz heute nicht alles wirklich perfekt ist, doch mit dem was Teile dieser Partei wollen, wird meines Erachtens noch viel mehr ins Arge geraten. Also lautet mein Rat: "Sich schlau machen, denken und (erst) dann das tun, was man selbst für das Richtige hält." Schweizer, hinterfragt und glaubt nicht einfach! Wenn jemand dann - nach dem Prozess des Denkens - zur Überzeugung gelangt, dass der Vorschlag der SVP richtig ist, dann soll man das auch unterstützen. Doch ohne zu denken einfach den Parolen folgen, ist eines Schweizers nicht würdig; das machten unsere Vorfahren auch nicht! Vielleicht noch diese Bemerkung; Lemminge sind Tiere, die dumm genug sind, einfach dasselbe zu tun, wie das Tier vor ihnen. Wir jedoch sind Menschen und nehmen für uns in Anspruch die Krone der Schöpfung zu sein.

Dann lasst uns das auch leben!

Ich will keinesfalls zynisch sein oder erscheinen, doch ich wünsche allen von Herzen frohe sowie besinnliche Weihnachten und ein gutes, gesundes und erfreuliches Neues Jahr.


Solange wir an geliebte Menschen denken und ihr Andenken liebevoll in unseren Herzen bewahren, bleiben sie für immer ein Teil von uns.
Lasst unsere Lieben deshalb einen Platz in unseren Herzen finden.

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