Schadenfreude? - SPEAKER'S CORNER - LDFF - Sönd Willkomm!!!

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Schadenfreude?

LDFF - Sönd Willkomm!!!
Herausgegeben von in Allgemeines ·
Wo ist die Abgrenzung zwischen Genugtuung und Schadenfreude?
Wo ist die Grenze? Was ist moralisch, ethisch noch gestattet? Wo wird es verwerflich?

Um zu erklären, weshalb ich hier meine Gedanken zu diesem Thema festhalte, muss ich kurz in meine Vergangenheit abtauchen. Im Jahre 2012 wurde mir seitens meines Arbeitgebers auf Ende März 2013 gekündigt. Haupttreiber dieser unseligen Bestrebung war mein damaliger Chef -nennen wir ihn der Einfachheit halber Max Muster. Max Muster beerbte mich Ende 2011 sowohl als Projektleiter der globalen 'Client Tax Reportings' als auch als Teamleiter des damaligen 'Tax Operations' Teams. Von Anfang an stand unsere 'Zusammenarbeit' unter keinem guten Stern.

Am Dienstag (8. November 2016) erfuhr ich über gewisse Kanäle, dass Max per Ende Oktober 2016 dasselbe Schicksal erfahren hatte, wie ich Ende 2012. Man teilte ihm offensichtlich mit, dass er nicht mehr erwünscht ist und sich nach einer neuen Herausforderung umsehen soll, wenn das intern nicht funktioniere, dann halt eben extern – der Arbeitgeber hält ihn nicht!

Als ich diese Information erhielt, jubilierte ich innerlich kurzfristig, mein Puls erhöhte sich ebenso wie die Atmung und ich konnte nicht verhindern, dass ich ein wahrscheinlich schadenfreudiges Lächeln um die Lippen hatte. Allerdings hielt diese Schadenfreude nicht lange an. Ist mir doch bewusst, dass auch Max zwischenzeitlich die Mitte der Vierziger überschritten (so meine ich zumindest), eine Familie mit zwei noch jungen Kindern (ich meine vier oder fünf und ein Jahr alt) hat und als stellvertretender Direktor bei einer Grossbank wohl kaum so einfach zu einer neuen Anstellung kommt. Noch dazu, nachdem viele seiner ehemaligen Buddies nicht mehr in den damals wichtigen / richtigen Positionen sind. Und seit Mittwoch (9.11.16) scheint es für Ausländer auch nicht mehr so einfach zu sein, in die USA – das erklärte Ziel von Max – einzuwandern und dort zu arbeiten; Donald sei Dank!
 
Wie auch immer, ein richtig schlechtes Gewissen bezüglich meiner ursprünglichen Schadenfreude kommt nicht wirklich auf, trotz der damit sicherlich verbundenen menschlichen Tragödie. Und daher die Fragestellung im Titel. Ist es verwerflich, sich insgeheim zu freuen, wenn das Schicksal denjenigen, welche einem übel mitspielten, nun auch ein Schnippchen schlägt. Ist es unangebracht, oder zeugt es gar von einem schlechten Charakter? Eigentlich empfinde ich nach einiger Zeit Kenntnis des Sachverhalts weder Schadenfreude für noch Bedauern mit Max.
 
Meine derzeitige Gefühlslage würde ich, wenn ich an den Sachverhalt denke, als Genugtuung bezeichnen. Genugtuung, dass das Schicksal eben doch eine gewisse Form der Gerechtigkeit walten lässt. Und dieses Gefühl ist absolut in Ordnung für mich!
 
PS: Auch wenn ich persönlich mit Max nie wieder etwas zu tun haben will, so wünsche ich ihm doch, dass die Situation glimpflich für ihn und seine noch junge Familie ausgehen möge.

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