Wistub Brenner - SPEAKER'S CORNER - LDFF - Sönd Willkomm!!!

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Wistub Brenner

LDFF - Sönd Willkomm!!!
Herausgegeben von in Privat ·


Die Weinstube Brenner, oder in Elsässer-Deutsch «d'Wistub Brenner», ist es wert, hier einen Blog-Beitrag zu verfassen; auch wenn dies weder ein Koch- noch ein Gastronomieblog ist.
 
Wie sind wir zur Wistub Brenner gekommen?
Eigentlich ganze einfach und simpel. Ende Januar 2016 haben wir Colmar und Strasbourg besucht. Genau in dieser Reihenfolge, erst Colmar, dann Strasbourg. Damals - im Januar - war unser Ziel, die beiden Städte zu besichtigen und uns eine gute Zeit zu machen - anlässlich des runden Geburtstags von Lotti. Am zweiten Tag in Colmar hatten wir bloss noch am Morgen ein paar Ecken der Altstadt nicht gesehen und machten uns bis zum Mittag daran, das nachzuholen. So um die Mittagszeit herum, waren wir mit der Besichtigung durch und liessen uns, vom Hunger gesteuert auf eine Weinstube hintreiben.
 
Diese Weinstube war die «Wistub Brenner», welche uns primär wegen ihrer köstlichen Speisen aber auch wegen der Atmosphäre auf Anhieb gefiel. Zum Schluss staunten wir auch über die Preise. Es kann durchaus sein, dass € 29.40 für Vor-, Haupt- und Nachspeise in Euro-Raum als teuer betrachtet werden kann, doch für uns war dieser Preis - unter Berücksichtigung der Qualität, der Frische der Gerichte und der lokalen und jahreszeitlichen Ausrichtung sowie der Quantität - extrem günstig. Nimmt man dann noch die aufmerksame Bedienung hinzu, (sie sprach mit Lotti deutsch, sobald sie feststellte, dass Lotti nicht gerne französisch spricht, blieb bei mir jedoch in der Landessprache des Elsass) welche in keiner Art und Weise aufdringlich und dennoch aufmerksam war, sind die Preise mehr als nur gerechtfertigt.
 
Für uns war jedenfalls klar - wir kommen wieder!
 
Der zweite Besuch
Auch wenn für uns klar war, dass wir wiederkommen, wussten wir damals noch nicht, wie schnell wir wieder hier sein würden. Doch schon im Januar stellten wir fest, dass Weihnachten, resp. Weihnachtsmärkte im Elsass offensichtlich länger gehen; waren doch Ende Januar noch viele Häuser und Läden weihnachtlich geschmückt.
 
Die Tatsache, dass unser Enkel und Pflegekind zwischen Weihnachten und Neujahr Ferien bei seinem Vater verbringt, brachte uns auf die Idee kurzfristig den «Marché de Noël à Colmar» zu besuchen. Zum Glück für uns jedoch nicht zu kurzfristig, sodass wir noch rechtzeitig in der Wistub Brenner reservieren konnten. Denn ohne Reservation gibt es keinen Platz zwischen Ende November und Ende Dezember!
 
Wir freuten uns auf das Ambiente, das Essen, die Aufmerksamkeit der Gastgeber, kurz auf darauf, im Brenner verwöhnt zu werden. Enttäuscht wurden wir nicht - um das vorweg zu nehmen -, doch sehr überrascht!
 
Nachdem wir den ganzen Tag mehrfach über die fünf verschiedenen Weihnachtsmarktplätze gelaufen sind, ja, das ist die Anzahl der Veranstaltungsorte des «Marché de Noël à Colmar», begaben wir uns kurz vor halb sieben zur Wistub Brenner. Ein Absperrband, ein Empfangsschalter (mit Computer) und eine freundliche, schriftliche Aufforderung an bezeichneter Stelle zu warten, um zum reservierten Tisch gebracht zu werden empfing uns. Zudem stellten wir fest, dass es plötzlich zwei Eingänge zur Wistub Brenner gab. Etwas, dass uns beim ersten Besuch im Januar nicht aufgefallen ist. Der zweite Eingang ging dann auch nicht in die - mit rund 20 Sitzplätzen eher kleine - Gaststube, sondern in einen Anbau, der offensichtlich speziell für die Weihnachtsmarktzeit aufgebaut wird und den ganzen Bereich der sommerlichen Gartenwirtschaft beansprucht. Durchaus rustikal, doch in keiner Art und Weise billig, im Gegenteil auf Wohlbefinden und Gemütlichkeit ausgerichtete zusätzliche 48 Sitzplätze. Mit Kokosfaserteppichboden, Vorhängen an den Fenstern, Heizung und zusätzlichen Wärmestrahlern, richtigen Stühlen und sogar gedrechselten Deckenverblendungen verbreitete der Anbau einen heimeligen Stadel-Charme, der es durchaus mit Skiregionen in den Österreicher oder Schweizer Alpen aufnehmen könnte.
 
Punkt viertel vor Sieben begann der Empfang. Nach Nennung des Namens wurde man zügig an seinen Platz gebracht und dort schon vom Weinschenk empfangen. Als Aperitif konnte man zwischen einem Elsässer Gewürztraminer (2013) oder einem Muscat wählen. Wir entschieden uns für den Gewürztraminer. Danach erhielt man die Menu-Karte und konnte in Ruhe auswählen. Die Auswahl ist grundsätzlich nicht allzu gross, doch dafür sind die jeweiligen Speisen frisch, regional, saisonal und wirklich vor Ort gekocht. Angeboten werden drei "Formeln":
 
  • Entrée + Plat (also Vor- und Hauptspeise) zu € 25.20
  • Entrée + Plat + Dessert (also Vor-, Haupt- und Nachspeise) zu € 29.40
  • Plat + Dessert (also Haupt- und Nachspeise) zu € 24.20
 
Entrées
Hier kann man in der Elsässer Küche schwelgen. Von Zwiebelkuchen über Schnecken bis zur Gänseleberpastete kann man haben, was sich der Gourmet wünscht.
 
Plats
Auch hier besteht eine grosse Auswahl an Elsässischen Spezialitäten. Man findet Sauerkraut, Eisbein, Bibalakas, Kutteln, Hüftspitz und eine hervorragende Fleischpastete.
 
Desserts
Diese sind auf einer separaten, an der Wand angebrachten, Schiefertafel zu finden. Vom klassischen Kougelhopf über eine ausgezeichnete Torche de Marrons bis zu Kuchen aller Art kann man hier wählen. Aber nur sofern der Magen es noch zulässt - die Portionen sind enorm!
 
An einer weiteren Schiefertafel stehen dann noch - in Ergänzung zur Hauptkarte - die Empfehlungen des Hauses, das heisst, die zusätzlichen, speziellen Angebote. Am 27. Dezember gab es drei zusätzliche Vorspeisen, darunter beispielsweise sechs Austern und vier weiter Hauptgerichte darunter auch ein Fischgericht.
 
Die Weine - man kann entweder selbst auswählen aus der Karte oder sich vom Saumelier beraten lassen - sind vornehmlich ebenfalls aus dem Elsass, wobei das Sortiment um ausgesuchte Französische Weine (Bordeaux und Beaujolais) erweitert wird. Hier gilt es zu vermerken, dass die Weinpreise ebenfalls sehr moderat sind. Klar, eine 75cl Flasche Crémant kann schon auch € 189 kosten, doch wer seinem Gaumen mit einem sehr guten lokalen Pinot Noir schmeicheln möchte, erhält 50cl bereits für € 18.--.
 
Noch ein paar Worte zur Qualität. Diese kommt einerseits vom Maître, dem Küchenchef, selbst. Das heisst, man spürt und schmeckt das Bedürfnis des Chefs, nur beste Resultate seinen Kunden zu offerieren. Dasselbe gilt für die Bedienung; aufmerksam, freundlich, hilfsbereit beschreiben das Servicepersonal wohl am besten. Auch wenn während der Weihnachtsmarktzeit zwei Services gefahren werden (18:45 / 19:00 Uhr und 20:30 / 20:45 Uhr) spürt man nichts, gar nichts, von Gehetze. Immer hat man ausreichend Zeit, sei es um sich sein Gericht auszusuchen, die Bestellung aufzugeben und zu Essen. Freundlich wird man sogar nach seinen weiteren Wünschen (Nachspeise, Kaffee, etc.) gefragt und selbst wenn man die Rechnung bestellt, hat man viel Zeit, sein Portemonnaie zu zücken. Niemand setzt einem unter Druck, nie hat man das Gefühl schneller machen zu müssen. Eine super Sache!
 
Das hat sich offensichtlich bis zu Gault-Millau rumgesprochen, die Wistub Brenner ist nämlich Gault-Millau gelistet, macht damit aber nirgends aktiv Werbung. Klar, das Schild ist beim Eingang angebracht, doch weder auf der Homepage noch auf der Speisekarte oder sonst auf einem Werbegegenstand (Visitenkarte, etc.) ist vermerkt, dass auch Gault-Millau die Wistub Brenner gut findet. Das mutet schon fast nach 'the British art of understatement' an, zeigt für uns aber mehr, dass sich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wistub Brenner für das Wohl der Gäste verantwortlich fühlen und nicht auf Lorbeeren ausruhen.
 
Für uns gilt, bald wieder, dann aber im Sommer, damit wir nicht nur die Winterkarte kennen.
 
Details zur Wistub Brenner findet ihr hier.

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